Elektronikkonzern : Apple übertrifft Erwartungen - aber warnt vor Abschwächung
Tim Cook verabschiedet sich mit besser als erwarteten Ergebnissen. Aber die Knappheit von Speicherchips macht das Geschäft schwieriger. Coook vergleicht sie mit einem „Jahrhunderthochwasser“.
Apple bleibt auf Wachstumskurs. Der Elektronikkonzern hat mit seinen am Donnerstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen. Der Konzernumsatz stieg um 16 Prozent, beim iPhone, dem noch immer mit Abstand wichtigsten Produkt, gab es sogar ein Wachstum von 22 Prozent. Allerdings warnte das Unternehmen vor einer erheblichen Abschwächung des Wachstums im kommenden Quartal. Begründet wird dies mit Engpässen in der Lieferkette, insbesondere der branchenweiten Knappheit von Speicherchips. Diese Chips kommen in vielen Apple-Geräten zum Einsatz.
Der Aktienkurs von Apple fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als acht Prozent. Allerdings hat sich die Apple-Aktie zuletzt glänzend geschlagen. Seit Jahresanfang hat sie 23 Prozent an Wert gewonnen. Damit liegt Apple an der Spitze der sogenannten „Glorreichen Sieben“, einer Gruppe großer amerikanischer Technologiekonzerne, zu der auch Nvidia, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Tesla gehören. Apple hat kürzlich Nvidia als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst und mit seiner Marktkapitalisierung kurzzeitig die Marke von fünf Billionen Dollar überschritten. Im Moment sind es 4,9 Billionen Dollar.
Die Geschäftsergebnisse kommen in einer Zeit, in der Apple vor einer gewaltigen Zäsur steht. Am 1. September wird Tim Cook nach 15 Jahren den Vorstandsvorsitz abgeben, an seine Stelle wird John Ternus rücken, der bisher als Senior Vice President für Hardwareentwicklung und damit für alle elektronischen Geräte verantwortlich ist. Ternus ist ein Apple-Veteran, er ist seit 2001 im Unternehmen. „Der Übergang verläuft nahtlos“, sagte Cook am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Ternus sei „einzigartig“ und „die beste Person“ für diesen Posten.
„Widerwillige“ Preiserhöhungen
Insgesamt wies Apple für das vergangene Quartal einen Umsatz von 109,4 Milliarden Dollar aus, Analysten hatten im Schnitt mit 108,7 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn stieg um 27 Prozent auf 29,8 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie betrug 2,02 Dollar. Nach Angaben von Apple entfielen davon 11 Cent auf Zölle, die von der US-Regierung zurückbezahlt wurden. Im Februar hat der Oberste Gerichtshof eine Reihe der vom US-Präsidenten Donald Trump verhängten Zölle für ungültig erklärt. Im Frühjahr hat die Regierung mit der Rückzahlung von Zöllen begonnen.
Mit Blick auf das kommende Quartal zeigt sich Apple aber um einiges vorsichtiger. Finanzkonzern Kevan Parekh sagte für den Gesamtkonzern ein Umsatzwachstum von neun bis elf Prozent voraus, für das iPhone ein Plus von rund 15 Prozent. Inmitten branchenweiter massiver Investitionen in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz ist die Nachfrage nach Speicherchips in jüngster Zeit enorm gestiegen. Cook verglich den resultierenden Engpass mit einem „Jahrhunderthochwasser“ und sagte, die Preise für diese Chips seien „exponentiell“ gestiegen. Apple sah sich kürzlich gezwungen, die Preise für Macintosh-Computer und iPad zum Teil deutlich zu erhöhen, Cook sagte, dies sei „widerwillig“ geschehen. Die Preise für das iPhone sind bislang unverändert geblieben, aber in der Branche wird spekuliert, dass die nächste Generation der Geräte teurer werden könnte. Neben den knappen Speicherchips machte Apple auch negative Währungseffekte für die vorsichtigere Prognose verantwortlich.
Im abgelaufenen Quartal brachte allein das iPhone Apple einen Umsatz von 54,3 Milliarden Dollar ein, es stand also für fast die Hälfte des Konzernumsatzes. Dank einer starken Nachfrage nach der jüngsten Modellgeneration iPhone 17 hat sich dieses Geschäft nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase wieder stark belebt. Im September dürfte Apple wie üblich die nächsten Modelle vorstellen. In diesem Jahr wird damit gerechnet, dass das Unternehmen ein faltbares iPhone herausbringt.
Im Dienstleistungsgeschäft, der zweitgrößten Sparte, stieg der Umsatz im vergangenen Quartal um 12 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar. Hierzu gehören Plattformen wie Apple Pay, Apple TV und der App Store. Wachstum gab es auch im Geschäft mit dem Macintosh-Computer sowie in der Sparte, in der Geräte wie die Computeruhr Apple Watch, die Airpods-Kopfhörer und die Computerbrille Vision Pro zusammengefasst werden. Allein beim iPad musste Apple einen Umsatzrückgang hinnehmen.
Die zuletzt überdurchschnittlich gute Entwicklung an der Börse wird von Analysten damit erklärt, dass Apple nicht annähernd so viel in Künstliche Intelligenz investiert wie viele andere Technologiekonzerne. Dies wurde lange als Makel gesehen, und Apple galt mit seinen KI-Aktivitäten als vergleichsweise schlecht aufgestellt. Beispielsweise gab es erhebliche Verzögerungen bei der Entwicklung einer schon 2024 angekündigten KI-Variante des Assistenzprogramms Siri, die nun wohl erst in den kommenden Monaten herauskommen wird. In jüngster Zeit wird an den Finanzmärkten aber verstärkt hinterfragt, ob sich die gigantischen KI-Investitionen vieler Unternehmen auszahlen, und das lässt Apple mit seiner weniger aggressiven Strategie in ein positiveres Licht rücken.