Zuschüsse sollen helfen : Lufthansa ruft nach Staatsgeld für Inlandsflüge
Der Inlandsflugverkehr hat sich gegenüber 2019 halbiert. Regionen fürchten um ihre Anbindung, Lufthansa erwägt wegen hoher Kosten „weitere Einschnitte“ – und regt als Gegenmittel Subventionen für Flüge an.
Weniger Abgaben hat die deutsche Luftfahrt über Jahre gefordert – und zum 1. Juli eine Absenkung der Ticketsteuer um 2,50 Euro für innereuropäische Verbindungen bekommen. Zu wenig, ist die einhellige Meinung der Branche. Die Deutsche Lufthansa erhebt nun eine weitere Forderung. Es geht ihr nicht nur darum, weniger an den Staat zu zahlen, sondern auch darum, Geld zu bekommen, damit Inlandsflüge erhalten oder gestrichene wieder aufgenommen werden.
In einem Lobbyrundschreiben verweist Lufthansa auf eine EU-Verordnung, die staatliche Hilfe für Flüge grundsätzlich ermöglicht: „Gemeinschaftliche Verpflichtungen (Public Service Obligations) ermöglichen es Staaten oder regionalen Körperschaften, Flugverbindungen im öffentlichen Interesse finanziell zu unterstützen“, heißt es in der Konzernveröffentlichung.
Und dieses öffentliche Interesse sieht Lufthansa offenbar für diverse Inlandsstrecken als gegeben an – vor allem für Verbindungen, die zu ihren Umsteigeknoten führen. Hohe staatliche Kosten hätten Zubringer zu den Drehkreuzen „wirtschaftlich fragil“ gemacht. „Fallen diese Verbindungen weg, wird aus einer Flugstreichung ein Standortnachteil. Die internationale Erreichbarkeit sinkt – und damit ein zentraler Faktor für Investitionen, Wachstum und Wertschöpfung“, heißt es von Lufthansa.
Nach Zahlen des Branchenverbands BDL erreicht das Platzangebot auf Inlandsstrecken in den kommenden sechs Monaten mit 7,8 Millionen Sitzen noch 46 Prozent des Niveaus aus dem Vor-Corona-Winter 2019/2020. Gegenüber dem vergangenen Winter sinkt es um acht Prozent. Lufthansa hat unter anderem die zuvor bis zu fünfmal am Tag geflogene Verbindung von Bremen nach Frankfurt gestrichen. Das brachte dem Konzern Kritik aus der Bremer Politik und Wirtschaft ein, die die Hansestadt abgehängt wähnen. Lufthansa verweist gegenüber den Ländern auf Abgaben, die der Bund erhebt – neben der Ticketsteuer Gebühren für Lotsen und Kontrollen. „Dass konkurrierende Airlines entstehende Angebotslücken nicht schließen, macht deutlich: Deutschland hat ein strukturelles Kostenproblem.“ Ohne Unterstützung „drohen weitere Einschnitte bei der Anbindung“.
165 geförderte Strecken in Europa
Eine EU-Liste aus dem Jahr 2024 weist 165 zuletzt über Public Service Obligations geförderte Strecken aus, die für die Erreichbarkeit einer Region wichtig, nicht dauerhaft eigenwirtschaftlich zu betreiben oder durch ein alternatives Angebot angemessen zu ersetzen seien. Frankreich meldete mit 37 die meisten an. In Deutschland gibt es seit 15 Jahren keine derart geförderte Strecke, davor zählten mal Rostock-München und Hof/Plauen-Frankfurt dazu.
Der Lufthansa-Konzern flog zuletzt weniger profitabel als die Rivalen Air France-KLM und IAG mit British Airways. Darauf wies der neue Aufsichtsratschef Johannes Teyssen in einer internen Veröffentlichung hin. „Wir wollen doch mit den Besten konkurrieren. Und da haben wir, erkennbar an den letzten Quartalsergebnissen, den Anschluss verloren“, wurde Teyssen zitiert.
Dem Konzern waren im zweiten Quartal mit 346 Millionen Euro etwas mehr als drei Prozent vom Umsatz als Gewinn vor Zinsen und Steuern geblieben. Air France-KLM schaffte eine Marge über fünf Prozent, IAG landete oberhalb von zehn Prozent. Für die Kernmarke Lufthansa läuft das Programm „Turnaround“, das bis 2028 Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro liefern soll. Teyssen sagte, er würde „nicht ausschließen, dass dort noch größere Anstrengungen notwendig sind“. Es sei viel verändert worden. „Aber leider hat es noch nicht die Wirkung erbracht, die wir uns erhoffen.“
Teyssen, der im Mai in den Aufsichtsrat gewählt wurde, sprach sich für mehr internationale Einflüsse aus. „Lufthansa ist so viel deutscher, als ich erwartet habe“, sagte er. „In keinem der Unternehmen, wo ich bisher gearbeitet habe, begegnete mir so viel deutsche Kultur und wird auch so wenig Englisch geredet“, so der frühere Eon-Vorstandschef. „Ich glaube, dass wir das Fenster nach draußen stärker öffnen sollten, um Impulse zu erhalten.“