Michael Strnad : Tschechischer Investor steigt bei Pirelli ein
Der Rüstungsunternehmer Michael Strnad übernimmt Anteile des chinesischen Großaktionärs Sinochem. Zur Freude der Italiener verlieren die Chinesen an Einfluss.
Der italienische Reifenhersteller hat eine Lösung gefunden, um den langjährigen Konflikt mit seinem chinesischen Großaktionär ein Stück weit zu entschärfen. Sinochem, der staatliche Investor aus China, verkauft 14 Prozent der Pirelli-Aktien an den tschechischen Unternehmer Michael Strnad. Damit verringert Sinochem seinen Anteil von 34 auf 20 Prozent und ist nicht mehr größter Pirelli-Aktionär. Diese Position nimmt fortan der langjährige Konzernlenker Marco Tronchetti Provera mit seiner Holding MTP-Camfin ein, die eine Beteiligung von rund 26 Prozent hält. Es gilt als möglich, dass Sinochem weitere Anteile verkaufen wird.
Strnad hat nach italienischen Pressemeldungen aus seiner privaten Kasse knapp eine Milliarde Euro für den Einstieg bei Pirelli ausgegeben. Er ist bekannt als Mehrheitsaktionär der tschechischen Gruppe CSG, die sich nach eigenen Angaben vor allem auf das Geschäft mit Verteidigung und Sicherheit konzentriert.
Tronchetti Provera und Sinochem liegen sich seit Jahren in den Haaren, weil die chinesischen Investoren schrittweise die Führung über den Konzern ergriffen haben. In jüngerer Zeit stand auch die italienische Regierung Tronchetti Provera zur Seite und beschnitt im April die Macht von Sinochem erheblich. So begrenzte sie etwa die Zahl der Pirelli-Verwaltungsratsmandate für Sinochem auf drei von fünfzehn Posten und untersagte jeglichen Einfluss in der Geschäftsführung.
Drohungen der Vereinigten Staaten
Hintergrund waren auch die Drohungen der Vereinigten Staaten, keine Unternehmen unter chinesischem Einfluss auf ihren Markt zu lassen. Daher wollte die Regierung sicherstellen, dass die Chinesen keinen Zugang zu verschiedenen Daten und Technologien erhalten; dies gilt besonders für die „Cyber-Reifen“ von Pirelli, die Daten der Umgebung und des Fahrverhaltens sammeln.
Der Druck auf Sinochem, den manche als Zermürbungstaktik beschrieben, hat nun seine Wirkung gezeigt. Die Chinesen hatten zuvor ihre Bereitschaft erklärt, bei einer attraktiven Prämie ihre Beteiligung zu verringern. Ende Juni hatte der Pirelli-Verwaltungsrat bereits beschlossen, Marco Tronchetti Provera anstelle eines Sinochem-Managers zum geschäftsführenden Chairman zu ernennen. Sein Sohn Giovanni Tronchetti Provera wurde stellvertretender Chairman. Die Börse begrüßte den Wechsel im Aktionärskreis mit Kursgewinnen im einstelligen Prozentbereich, weil sich die Unsicherheit nun verringert habe.