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Bayreuth: Wehmütiger Familienbetrieb

· FAZ Wirtschaft

Bayreuth: Wehmütiger Familienbetrieb

Bayreuth : Wehmütiger Familienbetrieb

Zum Jubiläum der Festspiele versöhnt sich Katharina Wagner mit allen. Irgendwann wird sie die Leitung in fremde Hände legen.

An diesem Abend hätte selbst der Verband der Familienunternehmer neidisch werden können. Ausgerechnet Nike Wagner, die bisweilen als etwas verkopft geltende Urenkelin des Komponisten Richard Wagner, hielt zum 150-jährigen Bestehen der Bayreuther Festspiele eine wehmütige Lobrede auf ebendieses in intellektuellen Kreisen oft verschmähte Genre: das Familienunternehmen. Wehmütig deshalb, weil es in Bayreuth damit künftig vorbei sein wird.

Dabei haben die Festspiele alles, was einen traditionellen Familienbetrieb ausmacht. Es gab Zwist unter den Verwandten, rührselige Versöhnungen, ständige Geldsorgen – und am Schluss einen Mangel an geeigneten Nachfolgern.

Ökonomisch standen die Festspiele schon auf wackeligem Grund, als der Komponist sie 1876 zum ersten Mal veranstaltete. Schon den Bau des Theaters hatte nur ein Privatkredit des bayerischen Königs Ludwig II. ermöglicht, und nach den Vorstellungen blieb ein hohes Defizit zurück. Immerhin: Die Nachfrage des Publikums blieb hoch, schon weil die Wagners an ihren Alleinstellungsmerkmalen arbeiteten: nur die Werke des Meisters selbst, nur 30 Vorstellungen im Jahr, was das Kartenangebot auf 60.000 Tickets für alle Wagner-Fans auf der ganzen Welt verknappt.

Einen schweren Imageschaden erlitt das Unternehmen nicht nur durch den notorischen Antisemitismus des Meisters selbst, sondern auch durch die Symbiose, die seine Tochter Winifred mit Adolf Hitler unterhielt. Später kam ein Familienzwist hinzu: Als Enkel Wolfgang die Leitung abgeben musste, stritt sich Tochter Katharina mit ihrer Cousine Nike um die Leitung. Sie obsiegte, der Frieden war aber nicht wiederhergestellt.

Jetzt, zum Jubiläum, war alles wieder gut. Festspielchefin Katharina Wagner umarmte nicht nur die „liebe Cousine“ Nike, die alle Herzlichkeiten zurückgab. Sie begrüßte auch ihren „lieben Freund“, den Publizisten Michel Friedman, der die Festspiele mit einer fulminanten Vergangenheits-Abrechnung gewissermaßen reinwusch („Der Antisemit Richard Wagner muss mir heute zuhören“). Das Produkt selbst hatte sich schon in den zurückliegenden Jahren runderneuert, mit frischen Regie-Handschriften und neuen Dirigentinnen (ja, es führen jetzt auch Frauen den Taktstock).

Vielleicht hat die neue Harmonie auf dem grün-braunen Hügel, von dem Friedman sprach, auch mit einem bevorstehenden Ende zu tun. Zwar kann Katharina Wagner mit ihren 48 Jahren den Betrieb noch eine Weile führen, wenn sie es so erfolgreich macht wie zuletzt. Für die Zeit danach drängt sich aber kein Nachfolger aus der Familie auf. Schon längst sind die Festspiele eine GmbH, die von Bund, Land und Kommune getragen wird, einen kleineren Teil hält die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth. Sie bestellen nicht nur einen General Manager fürs Geschäftliche. Irgendwann werden sie auch eine neue Leitung jenseits der Familie auswählen.