Wetterextrem : Der Super-El-Niño ist der nächste Schock für die Weltwirtschaft
Der fehlende Regen könnte Asien so stark treffen wie nie zuvor – und das zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Welt noch nicht vom Irankrieg erholt hat.
Als sich vor einer Woche eine gelb-graue Dunstglocke über Singapur legte und selbst das gigantische Marina Bay Sands Hotel nicht mehr aus der Ferne zu erkennen war, da drängte sich der Symbolwert des ungewohnten Schauspiels geradezu auf: dass sich über Asiens Wirtschaft, der wachstumsstärksten Region der Welt, gerade etwas zusammenbraut.
„El-Niño“ heißt das Klimaphänomen, das alle paar Jahre das Wasser im Pazifik um einige Grad steigen und das Wetter verrücktspielen lässt. Heftiger Regen in Peru, der an der eigentlich trockenen Küste zu Überschwemmungen führt. Extreme Trockenheit im indonesischen Regenwald, wo die Brände, mit denen sich die Palmölindustrie Platz für Plantagen schafft, außer Kontrolle geraten. Der Südwind bläst den Rauch nach Singapur.
Ein El Niño an sich ist nicht neu, seine diesjährige Stärke schon. Viel deutet darauf hin, dass das Phänomen im Spätherbst den Ozean so stark erwärmen wird wie nie zuvor. Besonders in Asien führt das zu Dürren und Ernteausfällen und weniger Energie aus Wasserkraft. Und weil das zu einem Zeitpunkt geschieht, in dem Menschen und Unternehmen bereits unter den Folgen des Irankriegs und dem Mangel an Öl und Gas leiden, sieht die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) El Niño nicht mehr als reines Klimaproblem, sondern als Risiko für ökonomische und politische Stabilität.
Die Trockenheit trifft dabei weniger Technologiestandorte wie Singapur oder Malaysia, die in den vergangenen Jahren eine Halbleiterproduktion aufgebaut haben und nun vom Boom der Künstlichen Intelligenz profitieren. Leiden werden die Bauern auf den Philippinen, in Kambodscha und Myanmar, deren Wachstumsprognosen die ADB im Angesicht eines möglichen Super-El-Niños nach unten korrigiert hat.
Das klingt, als sei das Problem von Deutschland weit weg. Allerdings hat die deutsche Wirtschaft ausgerechnet den Südosten und Süden Asiens zu ihrem neuen Wachstumsfeld erklärt. Doch wenn in der Milliardennation Indien und in Indonesien mit seinen 280 Millionen Einwohnern nach mageren Ernten die Lebensmittelpreise steigen, dann fehlt auch das Geld zum Kauf deutscher Produkte. Mit El Niño droht der Weltwirtschaft der nächste Schock.