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Outdoor-Marke: Mammut gehört jetzt Chinesen – und findet das auch gut so

· FAZ Wirtschaft

Outdoor-Marke: Mammut gehört jetzt Chinesen – und findet das auch gut so

Outdoor-Marke : Mammut gehört jetzt Chinesen – und findet das auch gut so

„Wir sehen das positiv“, sagt Firmenchef Heiko Schäfer. Der Deutsche hofft auf Unterstützung im Chinageschäft. Die Schweizer Identität der Outdoor-Marke sieht er nicht in Gefahr.

Arcteryx, Salomon, Atomic, Wilson: Die Liste bekannter Sportartikelmarken, die Investoren aus China gehören, ist lang. Und nun wird sie um einen weiteren Eintrag länger: Der traditionsreiche Schweizer Outdoor-Spezialist Mammut geht in den Besitz des chinesischen Finanzinvestors CPE über. Dies teilte das Unternehmen aus der Gemeinde Seon im Kanton Aargau mit. Die Mammut Sports Group AG wechselt damit von einem Finanzinvestor zum nächsten: Verkäufer ist Jacobs Capital.

Die Beteiligungsgesellschaft der deutschen Unternehmerfamilie Jacobs hatte den Bergsportausrüster vor fünf Jahren übernommen. Nun sah sie offenbar die Zeit gekommen, mit Gewinn auszusteigen. Über den Kaufpreis haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Spekuliert wird über einen Betrag oberhalb von einer halben Milliarde Euro. Mammut beschäftigt 900 Mitarbeiter, davon ein Drittel in der Schweiz, und kommt nach eigenen Angaben auf einen Jahresumsatz von rund 400 Millionen Franken.

Nach Aussage von Heiko Schäfer, der Mammut seit September 2022 führt, gab es auch Kaufinteressenten aus Europa und Nordamerika. Dass die Firma nun in chinesische Hände kommt, findet Schäfer gut: „Wir sehen das positiv. China ist mittlerweile unser größter nationaler Markt. Das ist ein Markt, der in den nächsten Jahren den Großteil des weiteren Wachstums unseres Unternehmens tragen wird“, sagte der deutsche Manager, der vor seinem Wechsel in die Schweiz für Hugo Boss (im Vorstand), Tom Tailor und Adidas gearbeitet hat, im Gespräch mit der F.A.Z.

In Asien gut vernetzt

CPE sei in China sowie in Japan und Südkorea gut vernetzt. Zum Netzwerk gehörten Betreiber von Einkaufscentern. „Diese Kontakte werden uns sicherlich helfen, die Expansion in Asien voranzutreiben.“ Bisher sei Mammut in dieser Region auf sich allein gestellt gewesen. Etwas mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen noch in Europa, wobei die Schweiz, Deutschland und Österreich die wichtigsten Märkte sind.

CPE ist eines der größten Private-Equity-Unternehmen Chinas und hat Anfang des Jahres etwa die Kontrolle über das Geschäft von Burger King in der Volksrepublik übernommen. Zuvor machte CPE mit Investitionen in den Hafermilchhersteller Oatly, den Labubu-Konzern Popmart und die Eiscreme-Kette Mixue, die weltgrößte Franchisekette, von sich reden. Auch an dem KI-Unternehmen Moonshot AI hält CPE einen Anteil.

Das Unternehmen war einst Teil von CITIC, einem der wichtigsten Finanzkonzerne Chinas, der dem Finanzministerium gehört und auf staatliches Geheiß agiert. CPE wurde vor knapp einem Jahrzehnt abgespalten und ist seitdem eigenständig. 15 Prozent der Anteile werden aber laut einer chinesischen Unternehmensdatenbank bis heute von staatlichen Institutionen gehalten. Insgesamt verfügt der Konzern über Vermögenswerte von 150 Milliarden Renminbi, knapp 20 Milliarden Euro.

„Unsere Produkte werden weiter in der Schweiz entwickelt“

Aber ist es nicht ein Nachteil, dass CPE keine Expertise im Geschäft mit Outdoorartikeln mitbringt? „Nein“, antwortete Schäfer, „den Outdoor-Markt müssen wir schon selbst erobern. Wir brauchen einen Partner, der uns dabei unterstützt und der dafür die nötigen Ressourcen mitbringt.“ Schäfer deutete an, dass die Chinesen auch frische Finanzmittel zur Verfügung stellen könnten. „Wenn wir die Wachstumsgeschwindigkeit in den nächsten Jahren noch erhöhen sollen, dann braucht es frisches Kapital. Darüber werden wir mit CPE diskutieren.“

Bisher habe man das Wachstum aus dem eigenen Mittelzufluss (Cashflow) finanziert. Bereinigt um Wechselkurseffekte sei das Unternehmen zuletzt jedes Jahr ordentlich zweistellig gewachsen. „Das wollen wir gerne so fortschreiben.“ Die operative Umsatzrendite liege deutlich oberhalb von zehn Prozent.

Schäfer glaubt nicht, dass die Schweizer Marke unter chinesischer Flagge Schaden nimmt. „Unsere Produkte werden weiterhin in der Schweiz entwickelt.“ Mammut werde seine Identität bewahren. Das Unternehmen wurde im Jahr 1862 als Seilhersteller gegründet. Seit 1943 tragen die Produkte den Markennamen Mammut. Kletterseile gehören bis heute zum Stammsortiment, zu dem vor allem Outdoorjacken und -hosen und Bergschuhe gehören. Den größten Teil seiner Produkte lässt Mammut in Asien (Vietnam, Bangladesch) produzieren. Auf China entfällt bislang nur ein sehr kleiner Teil des Einkaufs.

Schäfer (Jahrgang 1972) wird Mammut nach eigenem Bekunden weiterhin führen: „Ich bin Teil des Pakets.“ Auch die übrigen fünf Mitglieder der Geschäftsleitung sollen an Bord bleiben. Insgesamt sei kein Personalabbau geplant.

In Schäfers Büro hängt bis heute eine golden schimmernde Mammut-Bergjacke. Sie dient ihm als Warnung, Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Unter der früheren Führung hatte Mammut versucht, in die volatile Modewelt vorzudringen. Doch das ging schief. Man verprellte die Stammklientel der anspruchsvollen Bergkraxler und verlor an Umsatz. Schäfer indes schärfte das Profil von Mammut als Anbieter hochwertiger Funktionskleidung und weitete das Angebot auf weitere Disziplinen wie etwa Trailrunning aus.

Chinesische Investoren haben sich zuletzt eine Reihe von westlichen Sport- und Outdoor-Marken gesichert. Am aktivsten war Anta Sports aus der südostchinesischen Provinz Fujian. Die Gruppe kontrolliert Marken wie Salomon, Arcteryx, Wilson und Atomic und hält 29 Prozent am Puma-Konzern. Anta gilt damit inzwischen als einer der größten Sportartikelkonzerne der Welt. Sport- und Outdoorkleidung ist in der kriselnden chinesischen Wirtschaft eine der wenigen erfolgreichen Branchen.