Der Freitag im Überblick BASF bezirzt Evonik, Börries narrt Gläubiger, Beckham kassiert Big Time
Die Karrieren der beiden deutschen Techstars Andreas von Bechtolsheim (70) und Marco Börries (58) könnten unterschiedlicher kaum sein. Während Google-Investor und Sun-Microsystems-Mitgründer Bechtolsheim mit mehr als 18 Milliarden Euro Vermögen zu den zehn reichsten Deutschen zählt, hat Seriengründer Börries unter Geschäftspartnern eine Spur der Verwüstung hinterlassen . Gläubiger streiten mit ihm vor Gericht, zudem wird wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung ermittelt.
Nun fordert auch Bechtolsheim von seinem ehemaligen Buddy Börries Geld zurück – 21,5 Millionen Dollar. Das Geld war für einen heiklen Deal gedacht, der wegen Russlandsanktionen kippte. Die exklusive Recherche meines Kollegen Jonas Rest zeigt, wie Börries Gerichte, Gläubiger und auch seinen alten Geschäftspartner Bechtolsheim auflaufen lässt: Catch me if you can.
Hält Abstand zur Heimat: Der abgestürzte Techstar Marco Börries hat Beef mit seinem alten Kumpel Andreas von Bechtolsheim
Foto: Gene Glover / manager magazinDie Wirtschaftsnews des Tages:
Der Chemieriese BASF prüft die Übernahme des Spezialchemieanbieters Evonik . Es gebe Gesprächsangebote zu einer möglichen Komplettübernahme, teilte Evonik mit. Ein Deal wäre ein Schritt zur Konsolidierung der zersplitterten europäischen Chemieindustrie. Die Evonik-Aktie legte am Freitag zweistellig zu.
Volkswagen muss knapp eine Million Autos in Deutschland zurückrufen. Weltweit sind es rund zwei Millionen Fahrzeuge. In Wolfsburg ist man Kummer gewohnt. Eine „korrosionsresistente Schraube“ in der Lenkungsverschraubung soll das jüngste Problem lösen.
Der Bundestag hat einen erneuten Tankrabatt beschlossen. Die Steuersenkung soll ab 1. Oktober gelten und Autofahrende um 17 Cent pro Liter entlasten. Mal schauen, welcher Anteil davon bei den Mineralölkonzernen hängen bleibt.
Die Aufsteiger des Tages:
Fußballlegende David Beckham (51) zieren nach jüngsten (Netflix-basierten) Berechnungen 88 Tattoos. Der Mann ist ein Gesamtkunstwerk. Ebenso kunstvoll sammelt „Becks“ globale Marken, die er gegen ein kleines Entgelt als Markenbotschafter vertritt. Die Geschäfte seiner Markenholding DRJB laufen so gut, dass jetzt eine dicke Sonderausschüttung fällig wurde: Beckham kassiert auf diese Weise 51 Millionen Dollar Dividende. Auf der Stirn wäre noch Platz für ein kleines Dollarzeichen.
Omnipräsent bei den WM-Spielen: An David Beckham und seiner Familie kam bei der WM in den USA keiner vorbei, nicht einmal Lionel Messi
Foto: Chris Brunskill / Fantasista / Getty ImagesEine fortgeschrittene Vermögensbildung kann auch der ehemalige Axel-Springer-Vorstand Andreas Wiele (64) vermelden. Der Bonus in seinem Springer-Abschiedsjahr fiel mit 16,4 Millionen Euro etwa so hoch aus wie das Jahresgehalt des SAP-Chefs Christian Klein (64). Für Wiele kein Grund, sich zur Ruhe zu setzen. Nach Stationen bei KKR und ProSiebenSat.1 hat er eine zweite Karriere im Fondsgeschäft gestartet. Sein Fonds Giano Capital kauft Start-up-Anteile von bestehenden Investoren, sogenannte Secondaries. Nun will Wiele mehr, berichtet mein Kollege Caspar Schlenk: Der umtriebige Ex-Medienmanager legt einen 250-Millionen-Euro-Fonds auf .
Was zum Hören:
Die nächste große KI-Wette zielt auf Systeme, die Raum, Zeit und die Folgen von Handlungen verstehen sollen. Warum Investoren Milliarden in sogenannte Weltmodelle stecken und warum der Hype dem Geschäft weit voraus ist, erfahren Sie in unserem Podcast manager magazin INSIDE.
Das Beste aus dem aktuellen „Economist“:
Finanzbeben in Istanbul: In der Türkei platzen gerade einige spektakuläre Fondsversprechen, berichten unsere britischen Kollegen. Tausende Anleger bangen um ihr Geld – und das Land um seinen Status als Schwellenmarkt .
Meine Tipps fürs Wochenende:
Sie kennen das: Beim Poloturnier oder beim Abschlag von Loch 9 wollen Sie angemessen gekleidet sein, doch nicht jede Uhr am Handgelenk macht sportliche Erschütterungen klaglos mit. Wir haben zwei Sportchronografen von Breitling und Gerald Charles für Sie verglichen, die neben hoher Präzision und edlem Look eine hohe Stoßsicherheit aufweisen. Auch die Preise sind sportlich.
In unseren Medientipps fürs Wochenende geht es um drei Herren, die auf unterschiedliche Weise zu Geld und Macht gekommen sind: LVMH-Gründer Bernard Arnault (77) zementiert die Macht über sein Luxusimperium (zum Schauen), Hedgefonds-Guru Nicolai Tangen (60) mehrt das Vermögen aller Norweger (zum Lesen), und Fifa-Boss Gianni Infantino (56) versucht, noch einmal davonzukommen (zum Hören). Die Kurzfassung hat mein Kollege Tim Spark für Sie.
Meine Empfehlung für den Abend:
Auszeit von KI-Konzernen: Der Börsenboom in Brasilien (im Bild der Strand von Rio de Janeiro) funktioniert auch ohne die Techriesen aus den USA
Foto: Andrea Fernandez / Stocksy UniteLebensmittel ohne Zucker sind ein Qualitätsversprechen. Aktien-Indizes ohne KI-Konzerne sind ein Schutzversprechen: Sollte die KI-Blase eines Tages platzen, weil uns künstliche Intelligenz völlig überraschend doch nicht die beste aller Welten beschert, dann sind Alternativen gefragt. Brasilien hat, was den USA fehlt, schreibt meine Kollegin Maren Jensen in unserem wöchentlichen „Geldanlage“-Extra: eine Story, die von Nvidia, Alphabet, Meta und Microsoft unabhängig ist. Der Leitindex an der Börse São Paulo, der Ibovespa, hat seit August 2025 um rund 35 Prozent zugelegt und damit sogar den KI-geboosteten US-Index S&P 500 hinter sich gelassen. Welche Unternehmen Brasiliens Börsenboom befeuern und was Anleger vor den Präsidentschaftswahlen am 4. Oktober (Lula gegen Bolsonaro junior) beachten müssen, lesen Sie hier .
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