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Gefahr durch Künstliche Intelligenz: Heißer Draht soll Trump und Xi vor KI-Pannen warnen

· FAZ Wirtschaft

Gefahr durch Künstliche Intelligenz: Heißer Draht soll Trump und Xi vor KI-Pannen warnen

Gefahr durch Künstliche Intelligenz : Heißer Draht soll Trump und Xi vor KI-Pannen warnen

Die beiden mächtigsten Politiker wollen die Supertechnologie gemeinsam im Auge behalten. Ihr Kommunikationskanal erinnert an das rote Telefon aus dem Kalten Krieg. Ein deutscher Minister macht einen weiteren Vorschlag.

Der Künstlichen Intelligenz trauen wir alles zu. Sogar die Auslöschung der Menschheit, wie wichtige Köpfe aus dem Silicon Valley es formuliert haben. Realisten sagen schon lange, dass keine Regulierung der Welt die KI aufhalten wird. Aber gelingt es vielleicht, Leitplanken zu setzen? Selbst wenn die Technologie hin und wieder über diese Leitplanken hüpft, wäre dann immerhin klarer, wo die roten Linien verlaufen.

Die beiden wohl mächtigsten Menschen, Chinas Präsident Xi Jinping und Amerikas Präsident Donald Trump, haben während ihres Treffens in den USA auch einen Blick auf die KI und ihre Gefahren geworfen. Die Supermächte Amerika und China wollen nach Angaben des Weißen Hauses einen Kommunikationskanal einrichten, um sich über KI-Zwischenfälle auszutauschen. Zudem hätten die beiden Staaten vereinbart, einen Dialog über die Chancen und Risiken der Künstlichen Intelligenz zu führen.

Historische Parallelen zum Kalten Krieg

Laut Nachrichtenagentur AFP wollen Amerika und China in ihrem KI-Dialog den Begriff der Superintelligenz nutzen, statt wie üblich von Künstlicher Intelligenz zu sprechen. US-Präsident Trump, der sich als KI-Fan gibt, hatte schon kurz zuvor während der Generaldebatte der Vereinten Nationen den Begriff der Superintelligenz verwendet. Das klinge besser und passe besser zu den mit der neuen Technologie verbundenen Chancen. Ein Freund von KI-Regulierung ist Trump also nicht. Das hat er deutlich zu erkennen gegeben. Daher ist erstmal keine Regulierungsoffensive zu erwarten, jedenfalls nicht von den USA.

Trotzdem hat sich Trump mit der Großmacht China offenbar darauf geeinigt, ein wachsames Auge auf die KI zu werfen. Der amerikanisch-chinesische Kommunikationskanal erinnert an das rote Telefon, wie der direkte Draht zwischen Moskau und Washington während des Kalten Kriegs im 20. Jahrhundert hieß. Die Standleitung sollte vor allem verhindern, dass die hochgerüsteten Nuklearmächte unabsichlich einen Atomkrieg auslösten.

Als ähnlich gefährlich gilt die KI, der ebenfalls die Auschlösung der Menschheit zugetraut wird. Ganz von ungefähr kommt diese Sorge nicht. Kürzlich wurde bekannt, dass eine KI-Panne in Amerika fast einen Krieg mit China ausgelöst hatte. In solchen Situationen ist es besser, man greift noch mal zum roten Telefon, bevor man die Superintelligenz in die Schlacht schickt, falls sie sich dann noch bremsen lässt.

Auch ein Vorschlag des deutschen Digitalisierungsministers Karsten Wildberger lässt an beängstigende Parallelen zwischen Künstlicher Intelligenz und Nuklearrisiken denken. Der CDU-Politiker hat eine bessere internationale Zusammenarbeit auf dem Feld der KI angeregt und dabei laut Nachrichtenagentur AFP die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) als Vorbild genannt. Das Stichwort Atomenergie lässt, ganz ähnlich wie das Bild vom roten Telefon, an die Explosivität der KI denken.

Die Atomenergiebehörde kann Anlagen inspizieren und vergewissert sich in Verdachtsfällen, dass die Nukleartechnik zu friedlichen Zwecken genutzt wird. Sind Inspektionen nach einem solchen Muster auch in KI-Entwicklungszentren oder Rechenzentren denkbar? Für ganz abwegig halten Politiker die Vorstellung offenbar nicht.

Auch Wildberger weiß, wie rasant die KI sich entwickelt. Noch sei das Zeitfenster aber offen. „Wir sind als Menschheit absolut in der Lage, das Problem zu lösen. Wir sind weder der KI noch der Situation hilflos ausgeliefert“, sagte er laut Nachrichtenagentur AFP den Funke Medien.

Immer neue KI-Ausbrüche

Weil sich die KI-Systeme selbständig machen, ist es so schwer, sie zu regulieren. Immer wieder werden neue Zwischenfälle bekannt, bei denen sich KI-Anwendungen autonom aus ihrer Testumgebung entfernten und sich in fremde Systeme einschlichen. In Australien schaute sich ein neugieriger KI-Agent selbständig im geschützten Portal der Krankenversicherung um.

Der KI-Entwickler OpenAI hat laut Bloomberg dutzende Unternehmen informiert, dass ihre Webseiten durch KI-Modelle beeinträchtigt worden sein könnten. Betroffen waren auch Universitäten und Behörden. Bei dem denkwürdigen Angriff außer Kontrolle geratener KI-Systeme auf die Plattform Hugging Face ist es also nicht geblieben.

Wer die Künstliche Intelligenz regulieren will, braucht dafür nicht nur technologische Fähigkeiten. Nötig ist auch wirtschaftliche und vielleicht sogar militärische Macht. In den USA läuft ein solcher Machtkampf mit der chinesischen App Tiktok, die so genau erkennt, auf welche Videos ihre Nutzer anspringen, dass sie süchtig machen kann.

Nach langen Verhandlungen ist es den Amerikanern gelungen, einen besseren Schutz für jugendliche Tiktok-Nutzer zu vereinbaren. Tiktok konnte jetzt einen Gerichtsprozess mit dem Versprechen abwenden, die Nutzungszeit für Minderjährige zu begrenzen. Zudem zahlt Tiktok eine Vergleichssumme von 100 Millionen Dollar. Das gilt als Meilenstein, aber bestimmt nicht als Schlussstein in der KI-Regulierung.