Second-Hand-Plattform Vinted mit mutmaßlich geplünderten Waren aus Frankreich überschwemmt
Seit dem Ausbruch der landesweiten Unruhen in Frankreich wächst beim Second-Hand-Marktplatz Vinted die Zahl der Angebote, bei denen der Verdacht besteht, dass sie bei Plünderungen mitgenommen wurden. Vinted habe Maßnahmen ergriffen, um Angebote im Zusammenhang mit den Plünderungen zu identifizieren und zu entfernen, sowie die Überwachung verdächtiger Angebote verstärkt, erklärte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.
„Wenn gegen unsere Regeln verstoßen wird, droht den betroffenen Konten eine dauerhafte Sperre“, so der Sprecher weiter. Man arbeite zudem aktiv mit den Strafverfolgungsbehörden und den französischen Behörden zusammen.
Frankreich ist Vinteds größter Markt. Am Wochenende war es bei Massendemonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten mit rund einer halben Million Teilnehmern in mehreren Städten des Landes zu Gewalt und Plünderungen gekommen.
In den sozialen Medien kursierende Videos zeigen offenbar, wie Geschäfte von Luxusmarken wie Louis Vuitton, Burberry und Celine geplündert wurden. Der Kosmetikhändler Sephora erklärte in einer Stellungnahme, dass Demonstranten in mehrere seiner Filialen eingedrungen seien. Louis Vuitton, Burberry und Celine äußerten sich bisher nicht zu den Videos. Nach Website-Angaben wurde allerdings einige ihrer Filialen vorübergehend geschlossen.
Wie Frankreichs Digitalministerin Anne Le Hénanff (57) auf X schrieb, erörtern derzeit Vertreter der französischen Regierung mit E-Commerce-Unternehmen, wie mit Angeboten für geplünderte Waren umgegangen werden soll. „Gestohlene Waren von diesem Wochenende werden auf bestimmten Plattformen zum Verkauf angeboten“, schrieb sie und fügte hinzu: „Solche Verhaltensweisen werden nicht ungestraft bleiben.“
Vinted wurde 2008 in Litauen als Tauschdienst für Kleidung gegründet und entwickelte sich zu einem der größten Verbraucher-Start-ups Europas. Nach einer von der schwedischen Investmentfirma EQT Growth angeführten zweiten Finanzierungsrunde wurde das Unternehmen zuletzt mit 8 Milliarden Euro bewertet.
Französische Staatsanleihen unter Druck
Die Turbulenzen in Frankreich hatten am Montag auch Auswirkungen auf den Anleihenmarkt. Zehnjährige Papiere rentierten mit 4,93 Prozent. Die Differenz (Spread) zu den entsprechenden deutschen Renditen weitete sich am Montag deutlich aus und lag bei 1,48 Prozentpunkten, weil sich zunehmend Sorgen über die Staatsfinanzen Frankreichs breit machen.